Gendermist im Alltag

Neulich: Information für eine Kindergeburtstagstorte einer örtlichen Bäckerei im Briefkasten. Ich zitiere: “bei der Tortenbestellung können Sie zwischen einer rosafarbenen oder blauen Dekoration wählen.” Scheinbar arbeiten die heutigen Bäckermeister nicht mehr mit gelb, grün, orange oder rot. Oder die Farben sind ausgegangen. Oder sind zu ausgefallen. Oder Aliens sind auf der Erde gelandet und habe alle Farben außer rosa und babyblau mitgehen lassen. Verschwörung! Boykott! Bekomme ich echt leichte Anfälle bei so was…Was soll das bitte? Dazu auf dem Zettel natürlich beide Minitorten in knalligem rosa und blau.

Männe gleich wieder total diplomatisch: “Die meinen es nur gut Schatz und wissen es nicht besser!” Vermutlich hat er Recht und ich sollte mich einfach nicht so darüber aufregen. Aber im gleichen Atemzug hat er auch zugegeben, dass ich damit weitaus mehr konfrontiert bin als er es ist. Ich wälze hier Prospekte und das Internet, um für das Kindlein Kleidung und Spielzeug möglichst günstig zu kaufen. Und es steht überall da “Für Mädchen” oder “Für Jungen”. Die Torte ist also nur die Spitze des Eisbergs. Grummel. Wenigstens ist die abgebildete Verzierung auf beiden gleich: weiß. Scheint ja neutral zu sein. Wobei es mich nicht wundern würde, wenn dann jemand kommt und laut ruft: “Weiß steht für Reinheit – das gehört nicht an einen Kerl!” Klappe kann man da nur sagen und ihn zum Mond schießen. Ohne Rückfahrticket.

Natürlich werden wir keine Torte bestellen – die Frage stellt sich ja nicht. Wobei ich ganz gerne vorbei schauen würde und die provokante Frage in den Raum werfen möchte: “Geht auch rot?” Ich sehe schon das Gesicht der Bäckereifachverkäuferin vor mir – Leere soweit mein Auge reicht. Völlig geschockt von der Frage wird sie zu ihrem Chef gehen und mit den Worten “rot ham wa nich” oder “nur gegen Aufpreis” zurückkehren. Einen Versuch wird es wert sein. Allein schon um die Gesichter zu sehen. Das wird ein Spaß!

Pie

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