Meine Missed Abortion – die Geschichte einer Fehlgeburt

Wie angekündigt. Ich möchte unserer Fehlgeburt einen eigenen Post widmen. Warum? Hm… vermutlich ist das „mein“ Weg es ein Stück mehr zu verarbeiten, um es festzuhalten.. und auch um dem kleinen Etwas einen Raum zu geben. Immerhin existierte es. Es war da… das Herz klopfte, es bewegte sich. Und dann war da plötzlich nichts mehr. Ein Loch, ein ganz tiefes und dunkles Loch. Ich bin ganz tief gefallen, aber nicht aufgeprallt. Ich hing und hänge in den Seilen und die erneute Schwangerschaft befördert mich wie ein Aufzug Stück für Stück nach oben Richtung Hoffnung.

Nach der Fehlgeburt und vor allem nach meinem offenen Umgang damit (ich habe es nicht für mich behalten, sondern habe es erzählt) erhielt ich plötzlich von ganz vielen Frauen ähnliche Geschichten. Ich hörte hier und dort von soooo vielen Fehlgeburten. Erzähl ich dir meins, erzählst du mir deins. So ähnlich fühlte es sich an. Und plötzlich fielen so viele Mauern und Masken und Tränen flossen und überhaupt fühlte es sich an wie „Schweigen brechen“. Nicht falsch verstehen… man muss es nicht in die Welt hinaus schreien. Es gibt bestimmt jede Menge Frauen, die es nur mit sich ausmachen wollen und können. Es ist ihr Weg. Ich spreche eigentlich vor allem deswegen so offen darüber… weil ich sagen möchte… ihr seid nicht allein. Auch wenn man weiß, dass es vielen Frauen passiert. So dachte ich dennoch „aber nicht bei uns.“ Und dann kam alles anders. Und es ist eben doch genau uns passiert.

Riesige Vorfreude für einen kurzen Moment

Was ist passiert?

Irgendwann im August 2017 habe ich positiv getestet. Nach nur sehr kurzer Zeit des aktiven Übens, wenn ich das hier so sagen darf. Ja darf ich, denke ich. Ist ja auch egal. Ich hielt diesen Test in der Hand und konnte es nicht so recht glauben. Mai sollte der Termin sein.. die Vorfreude stieg mit dem zweiten Test, der genauso deutlich war. Hinterher schob ich noch einen weiteren Test mit Wochenbestimmung. Und auch dieser war so wie es sein sollte. Der erste Termin bei der Gyn zeigte die Fruchthöhle und den Dottersack, beim zweiten Termin konnte ich schon das Herz schlagen sehen. Bezüglich der Größe stufte sie das Murkelchen einige Tage zurück. Wir dachten uns beide nix dabei. Warum auch? Es sah alles so aus, wie es aussehen soll. Und so zogen die ersten Wochen ins Land.. die Übelkeit begann. Aber war so anders wie bei der Schwangerschaft mit dem Kindlein. Die Brüste wuchsen. Alles schien sich auf Schwangerschaft einzustellen. Ich bildete mir einen kleinen Bauch ein. Dann im September fuhren wir in den Urlaub – nach Mallorca. Am Flughafen bat ich darum nicht durch den Detektor gehen zu müssen… Strahlung und so. Ich dachte mir nix, alles schien gut. Der Urlaub war toll, was in erster Linie an der Vorfreude und der nicht so starken Übelkeit lag.

Habe ich etwas geahnt?

Ja wo war sie nur, diese markerschütternde Übelkeit? Beim Kindlein lag ich zu dieser Zeit längst im Krankenhaus… extremer Gewichtsverlust und Flüssigkeitsmangel ließen nichts anderes mehr zu. Und dieses Mal? Irgendwann hatte ich das Gefühl, dass sich alle Anzeichen eher zurück zogen als „wuchsen“. Eine seltsame innere Unruhe machte sich breit. Immer wenn ich mich mit jemanden über die Schwangerschaft unterhielt, sagte ich „Wenn denn alles gut geht, dann….“ und bekam immer die gleichen Antworten.

„Was soll denn da schief gehen?“
„Du wirst schon sehen, alles wird gut!“
„Denk doch mal positiv!“

Im Nachhinein waren das genau die falschen Sätze. Denn: niemand nahm meine Ängste und Sorgen wahr oder ernst. Ich kam mir kurz vor dem Kontrolltermin bei der Gyn vor wie ein Psycho, da meine innere Unruhe eher wuchs, als das sie nachließ. Und dann, ja dann… kam der Tag der Tage.

„Das sieht leider nicht normal aus.“

Ich weiß noch wie heute, ich ging zur Gyn rein und sie fragte wie es mir ginge. Und meine Antwort war: „Ich fühle mich nicht schwanger, ich glaube irgendwas stimmt nicht.“ Es war das erste Mal, dass ich das so einfach aussprechen konnte. Vorher hatte ich immer noch diese komische Hoffnung in mir, dass ich mir alles nur einbilde und dieses Mal einfach Glück habe. Weniger Übelkeit – das muss doch ein Geschenk sein… eine Art Wiedergutmachung und Versöhnung mit dieser ersten so anstrengenden Schwangerschaft.

„Gut, bevor wir weiter machen schauen wir lieber gleich nach.“ Die Gyn nahm meine Sorgen sofort ernst und setzte mich unverzüglich auf den Stuhl. Und dann schallte sie. Und ich schaute. Und sie schallte. Und ich sah nicht viel. Musste mich fix orientieren. Es herrschte Stille. Und dann sagte sie: „Das sieht leider nicht normal aus.“ und ganz plötzlich hatte ich ihre warme, stärkende Hand auf meinem Oberschenkel. Ein Blitz jagte durch meinen Körper. Ein markerschütternder Blitz. Es war, als ob mir jemand die Luft abdrückte. Nur ganz kurz, aber sehr intensiv. Ich sagte nur „Hm. Ich habe es geahnt.“ Die Gyn redete noch.. aber ich hörte schon nix mehr. Keine Ahnung, was sie noch sagte. Ich verschwand anschließend wieder in der Umkleide… da wollten dann die ersten Tränen aus den Augen fallen. Ich stoppte sie, schluckte den Kloß in meinem Hals herunter und ging zurück ins Sprechzimmer. Die Gyn war noch nicht da. Ich zückte also sofort mein Handy und schrieb meinem Mann, dass kein Herzschlag mehr da ist und das es auch nicht weiter gewachsen ist. Er macht sich gleich auf den Weg.. irgendwas in die Richtung schrieb er zurück.

Dann kam die Gyn und ich weiß noch, dass das erste was ich sagte „Ich würde gerne um eine Ausschabung drum herum kommen“ war. Wir besprachen die Möglichkeiten, die ich hatte. Sie war sehr einfühlsam und sagte Dinge, die man eben so sagt in dieser Situation. Es waren gute Dinge. Richtige Dinge. Nichts wie:

„Sie haben doch schon ein Kind.“
„Beim nächsten Mal klappt es bestimmt!“
„Das passiert soooo vielen.“

Das sind Sätze, die kein Mensch braucht, auch wenn sie sicherlich lieb gemeint sind. Auch ich habe sie gehört. Und ich weiß, dass die Menschen, die sie sagen, nicht böse meinen. Das sie aufbauen, helfen und bestärken möchten, nur eben nicht wissen wie. Trotzdem: ich habe schon von vielen Bekannten mit Fehlgeburten dieses Feedback bekommen. Das eben diese Worte nicht helfen. Denn: ja, es kann schnell wieder klappen. Aber was ist die Konsequenz? Und ja, ich habe schon ein Kind. Aber ich wünschte mir auch dieses Zweite, was soeben wie eine Seifenblase zerplatzt ist. Dann lieber ein „Es tut mir so leid für Euch.“ Auch das habe ich gehört und es war gut für die Seele.

Nach dem Termin bin ich ziemlich überstürzt aus der Praxis gerannt. Die Sprechstundenschwester rief mir noch hinterher, ob wir einen neuen Termin brauchen, doch ich schüttelte nur den Kopf. Draußen, kurz bevor ich mein Auto erreichte, konnten sie dann endlich rollen: die Tränen. Ich setzte mich, startete den Motor und rief als erstes meinen Mann an. Ich heulte wie verrückt, konnte mich aber auch fix wieder beruhigen. Wir redeten eine Weile und es war kurz wieder ok. Dann fuhrt ich los und rief auf halber Strecke meine Mutter an. Sie wusste schon von der Existenz des Minis. Und verstand erst nicht als ich da so los plapperte, die Tränen immerhin schon nicht mehr in Bächen laufend. Ich weiß noch wie sie ganz entsetzt sagte „Dann ist es ja tot!“ und ich antwortete „na wenn du das so sagen willst, dann ja.“ Sie entschuldigte sich im Nachhinein dafür, rechnete aber so gar nicht damit und war derart erschüttert, dass nichts anderes aus ihrem Mund flog. Ich nahm es ihr nicht übel.. an ihren Worten und der Stimmlage hörte ich, wie heftig das auch für sie war.

Wie sind wir vorgegangen? Was waren die Auswirkungen?

Emotional

Scheiße, ich habe so viel geweint. Abends, auf dem Klo im Kreißsaal, im Auto, heimlich nachts, im Arm von meinen Mann, mit dem Kindlein im Arm, welches ganz durch den Wind war wegen dieser ganzen Sache. Jetzt wo ich diesen Text schreibe kommen sie seit langem mal wieder. Diese Tränen, die so ein treuer Begleiter waren in den ersten Tagen. Dieses furchtbar lähmende Gefühl ebbte allerdings auch schnell wieder ab. Ich sagte immer mal wieder: „Schatz, ich habe unser Baby verloren“ zu meinem Mann. Aber die Tränen gesellten sich nicht mehr wie zu Beginn pauschal dazu. Ich schlief erstaunlich gut, war nur unendlich traurig. So unendlich, dass man es nicht in Worte fassen kann. Trotzdem: ich berappelte mich erstaunlich schnell. Das Tal war sehr tief, aber auch sehr kurz. Die Wochen danach waren dennoch hart. Was mir Halt gab: die gesunde Tochter. Ich wusste: ich kann es, mein Körper kann es. Das war emotional die größte Stütze. Der Rest des Umfeldes wollte Gutes tun, bekam es aber nicht so recht hin. Ich glaube bis heute, dass jemand, der es nicht selbst erlebt hat, es auch nicht so recht nachfühlen kann. Der Austausch mit Frauen, denen ähnliches passiert ist, half mir da schon mehr.

Medizinisch

Laut Ärztin war das Baby schon seit dem letzten Termin kein Stück mehr gewachsen. Das bedeutete, es muss schon etwa seit vier Wochen ohne Herzschlag in mir geschwommen sein. Vier Wochen, in denen nix passiert ist. Mein Ziel war es, um eine Ausschabung drum herum zu kommen. Ich hatte in meinem OP-Einsatz im Zuge der Hebammen Ausbildung viele Ausschabungen gesehen. Und ich wusste: das will ich nicht. Auf der anderen Seite waren da schon diese 4 vergangenen Wochen, in denen nichts passiert ist. Ich besprach mich mit meiner Hebamme, die gleichzeitig in einer gynäkologischen Praxis arbeitet. Sie bot mir einen Termin dort an. Mittlerweile waren 5 Wochen vergangen und allmählich wurde mir die psychische Belastung zu groß. Ich nahm den Termin also an und wir schallten noch einmal. Ergebnis: Plazenta arbeitet, alles ist auf Versorgung des kleinen Wurms eingestellt. Auch wenn dieser nicht mehr lebte. Es gab keinerlei Anzeichen für einen natürlichen Abgang. Ich war verzweifelt. Ich wollte einfach nur noch, dass es vorbei war. Sofort. Es überrollte mich förmlich. Auch wenn ich keine Ausschabung wollte, so wollte ich einfach auch nicht mehr mit diesem kleinen toten Wesen in mir in der Welt herum laufen. Ich las noch viel im Internet… teilweise war von drei bis sechs Monaten die Rede, wenn man auf eine kleine Geburt warten wollte. Zu viel für mich und mein inneres Gefühl. Zudem die Angst vor heftigen Blutungen bei dieser kleinen Geburt, von der ich im Bekanntenkreis genau zu dieser Zeit hörte. Ich wollte auf meinen Körper hören und ihm vertrauen, dennoch war mein Kopf und das Bedürfnis nach einem „Ende“ größer. Die Ärztin, die mich schallte, würde auch die Ausschabung in einer kleinen Tagesklinik durchführen. Sie klärte mich auf und ich war sehr „positiv“ überrascht, da sie eine schonendere Methode anwenden würde als ich sie gesehen habe. Zudem wusste ich, wer mich da operieren würde. Und so fasste ich mit meinem Mann gemeinsam den Entschluss: doch eine Ausschabung.

Beruflich

Die OP an sich war nicht schlimm. Und auch das Danach war auszuhalten. Ich brauchte keine Schmerztabletten und stand nur 3 Tage später wieder im Kreißsaal auf der Arbeit. Die Ablenkung war gut. Sie half mir. Ich hatte zu keiner Zeit Probleme mit den Familien, die dort mit ihren glücklichen Babies die Räume verließen. Stattdessen konnte ich nun Frauen mit vorausgegangenen Fehlgeburten viel besser verstehen.. ihre Ängste, ihre Sorgen. Es war wie ein Spiegel. Beruflich hat mich diese Erfahrung zu 100% nach vorn katapultiert. Ich sehe es im Nachhinein manchmal fast als „positive“ Erfahrung. Im Sinne der Betreuung für Frauen und deren Familien. Es hat mir hier total viel gegeben. Wenn eine Frau sagte „ich hatte schon eine Fehlgeburt, ich habe so Angst.“ konnte ich tatsächlich antworten: „ich weiß genau wie sie sich fühlen!“ und dann wurde ich mit großen Augen angeschaut und man konnte sich auf „Augenhöhe“ unterhalten – auch wenn das jetzt erst mal grotesk klingt. Aber ich fühlte, was sie fühlten. Und das ist beinahe wie ein Geschenk für meine Arbeit als angehende Hebamme.

Was macht eine Fehlgeburt mit Dir/Mir?

Diese Missed Abortion hat für mich leider langfristige Auswirkungen. Die aktuelle Schwangerschaft kann ich kein Stück genießen. Ich halte dieses Kind nach wie vor künstlich auf Abstand. Es ist furchtbar und beängstigend.. ich versuche dagegen anzukämpfen. Aber was geschehen ist, ist geschehen. Und ich kann es ganz schwer an mich heran lassen. Schon zu Beginn dieser dritten Schwangerschaft eignete ich mir daher eine „alles oder nichts“ Einstellung an. Als ich am Abend des zweiten Testes Schmierblutungen bekam, überrollte es mich nicht gleich wieder.. einfach weil ich innerlich keinerlei Gefühle zu diesem Zelhaufen zuließ. Nicht noch einmal würde mich das so packen und mir einmal das Herz aus der Brust reißen um es danach unvollständig wieder rein zu stecken. Nix da! Doch die Blutungen gingen.. und die Wochen vergingen. Und in der neunten Woche waren plötzlich wieder alle Anzeichen wie verpufft. Panik stieg in mir auf… ich wollte der Gyn nicht gleich wieder auf den Keks gehen. Ich wusste – Herztöne mit dem Dopton zu hören in der neunten Woche, das ist zu früh. Verzweiflung machte sich dann doch wieder breit. Ich hatte einfach keine Lust, dass alles noch ein zweites Mal erleben zu müssen.

Eine meiner guten Freundinnen ist Tierärztin.. und sie besitzt ein portables Ultraschallgerät für Tiere. Und jetzt darf man 3x raten was wir gemacht haben? Ich habe mich mit meiner Freundin getroffen und sie hat mich abdominal geschallt. Und da sahen wir dieses kleine Mucki und auch ganz deutlich den Herzschlag. So verrückt muss man erst mal sein? Verrückt? Ist es das richtige Wort? Ich war einfach so panisch und ängstlich – ich wäre bis zum nächsten Gyn Termin innerlich zerbrochen. Da hilft mir weder das Wissen rund um die Hebammenausbildung und erst recht nicht dieses ganze „Hab Vertrauen in dich und deinen Körper..“ ich konnte und wollte so was einfach nicht hören. Immerhin hatten sich all die Besserwissermenschen schon einmal geirrt mit ihrem „Alles wird gut.“ Niemand meinte das böse, das weiß ich und ich bin dankbar für die Anteilnahme und die Hilfe und all das Kümmern. Und trotzdem konnte ich das nicht gebrauchen. Denn: ich hatte kein Vertrauen mehr in meinen Körper. Kaputt, futsch. Er hatte es schon einmal nicht geschafft, auch wenn ich wusste, dass solche Gedanken Unsinn sind. Man hat sie trotzdem. Auch als angehende Hebamme… für mich, die von der Physiologie der Geburt überzeugt ist.

Und irgendwann in der zehnten Woche kaufte ich mir einen Fetal Doppler.. ein Dopton.. um die Herztöne des Kindes zu hören. Und es funktionierte. Jeden Tag hörte ich die Herztöne des kleinen Wesens. Teilweise bis zu drei Mal am Tag trug ich ein wenig Ultraschallgel auf und schallte, bis ich das Herzchen schlagen hörte. Das war schon ziemlich psycho.. um es mal salopp zu sagen. Aber ich denke kaum einer, der das nicht erlebt hat, kann sich diese Panik und Angst vorstellen, die man hat. Da ist dieses Wissen.. das es ein weiteres Mal passieren kann. Seit ich die Bewegungen (16. Woche) des kleinen Wurmes in mir spüre, schalle ich deutlich weniger. Zum heutigen Tag kann ich sagen, dass ich bestimmt schon über eine Woche nicht mehr Herztöne gehört habe. Das lag auch an den regelmäßigen Arztterminen zwischendurch. Frühe Feindiagnostik, Vorsorge bei der Gyn, eigentliche Feindiagnostik… und immer dieses kräftig schlagende Herz auf dem Bildschirm. Das half mir unwahrscheinlich. Auch wenn wir Hebammen immer über die übermäßig durchgeführten Ultraschalltermine meckern. In meinem Fall war es ganz genau das, was ich brauchte. Bestätigung, dass dieses Kind noch lebt.

Nun bin ich wieder schwanger. In der 25. Schwangerschaftswoche. Und ich spüre dieses 31cm lange Menschlein jeden Tag in mir wuseln. Es gibt mir Halt. Und endlich haben wir auch die Grenze zur Überlebensfähigkeit überschritten. Dennoch. Angst und Panik bleiben. Jeden einzelnen Tag. Ich kommuniziere das nicht mehr so häufig an mein Umfeld. Aber Anspannung ist da. Eine Anspannung die sich vielleicht erst mit der Geburt legen wird. Ich weiß es nicht. Vielleicht wird es auch danach nicht besser. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass sich meine Gefühle diesbezüglich noch ändern und ich etwas mehr Vertrauen in mich und auch in das Baby habe.

Und wie geht es mir jetzt damit?

Hm.. ich weiß nicht. Ich glaube, dass es gut war, so schnell wieder schwanger geworden zu sein. Denn so hatte ich ja quasi nur eine kleine Unterbrechung und es fühlt sich an, als wäre ich seit August durchgehend schwanger. Ich muss nicht mehr weinen wegen diesem verlorenen Kind. Ich brauche keinen Altar, kein Grab, ich denke nicht mehr jeden Tag daran. Aber ich glaube das liegt in erster Linie an der jetzigen, bis jetzt toi toi toi, intakten Schwangerschaft. Ich konzentriere mich auf dieses dritte Kind. Ich habe von Nummer 2 noch einen Eintrag im Mutterpass und ein Ultraschallbild. Und ich habe Bilder von den positiven Schwangerschaftstests. Und ich habe die Erinnerung. An diese Vorfreude. Die da mal war. Aber auch an das, was danach kam. Ich habe damit glaube ich dennoch nicht abgeschlossen. Und ich frage mich, ob ich damit jemals abschließen kann. Das wird mir oft als Ratschlag gegeben. „Du musst es endlich abschließen.“ und ich denke mir: muss ich das? Gehört es nicht auf Lebenszeit dazu? Totschweigen, nie wieder drüber reden? Undenkbar. Und so ist es einfach ein Teil unserer Geschichte, unserer Familie geworden. Das jetzige Baby in meinem Bauch ist ganz selbstverständlich das dritte Baby, welches heran wächst. Nummer 2 hat es einfach nicht geschafft. Aber es war da. Und es bleibt im Herzen und im Kopf. Für immer.

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