Aus dem Leben mit einem Schreibaby…

(Werbung da Verlinkung) Ich habe lang hin und her überlegt. Haben wir wirklich ein Schreibaby? Zunächst habe ich den Gedanken immer wieder verworfen.. und dachte mir: schlimmer geht immer. Aber mit der Zeit kamen Zweifel. Und eben immer wieder die Bezeichnung Schreibaby. Was viele als totalen Schwachsinn und neumodischen Kram abstempeln, erlebe ich gerade hautnah.

Zunächst einmal ganz kurz die Definition Schreibaby:

Grundsätzlich lässt sich sagen: ein Baby, welches über das normale Maß hinaus schreit. Nun ja. An dieser Stelle tut sich mir die Frage auf: was ist denn normal? Und ist Schreien denn auch gleich Schreien? Wir erleben hier nämlich aktuell mehrere Stufen des Schreiens. Vom normalen leichten Geschrei bis hin zur Sirene ist alles dabei. Um Spekulationen vorzubeugen, gibt es eine Definition die zumindest die Dauer des Schreiens bei einem Schreikind relativ klar definiert. Dabei handelt es sich um die so genannte 3-er Regel.

Man spricht also von einem Schreibaby oder Schreikind wenn:

  1. es an mindestens drei Tagen die Woche
  2. mehr als drei Stunden täglich
  3. und insgesamt mehr als drei Wochen am Stück schreit.

So. Punkt 1: komplett erfüllt. Baby M. schreit jeden einzelnen Tag. Natürlich mal mehr und mal weniger. Aber es vergeht kein Tag ohne weg brüllen, wie ich es so liebevoll nenne. Punkt 2: ja, ebenso erfüllt. Wobei ich mich hier immer frage ob drei Stunden am Stück oder drei Stunden über den Tag verteilt gemeint sind. Ich glaube 3 Stunden am Stück hat sie noch nicht ganz geschafft. Was aber in erster Linie daran liegt, dass wir sie mit allerlei Hilfsmitteln nach einer gewissen Zeit aus ihrer Schreispirale befreien können. Über den ganzen Tag verteilt schafft sie drei Stunden aber definitiv. Und das nicht nur an drei Tagen in der Woche. Punkt 3: Jackpot. Baby M. war die ersten zwei Wochen ja relativ entspannt. Schlief überall ein, trank Muttermilch wie ein Loch und war auch sonst recht zufrieden. Das änderte sich alles irgendwie in Woche 3. Wo wir wieder bei der drei wären. Ist gerade nicht so meine Lieblingszahl.. wenn ich das so sagen kann.

Babys Gesicht, kurz bevor die Sirene richtig angeht.

Seit Lebenswoche drei haben wir hier unser Brülläffchen. Es fing langsam an. Erst schlief sie plötzlich nur noch in der Wiege.. einschlafen an der Brust? Das war einmal! Überhaupt war sie sehr wach und aufmerksam. Das hält bis heute an. Sie schläft – schaut man sich so Schlafbedarf für ihr Alter an – viel zu wenig. Aber jedes Kind ist nun mal anders (kann man ja nicht oft genug sagen) und daher mache ich mir da nicht allzu viele Gedanken. Auch weil dann plötzlich mitten in der Woche ein völlig verschlafener Tag dabei ist. Nun ist das Baby zehn Wochen alt. Sieben bis scht Wochen geht das also schon. Verrückt. Verrückt wie schnell die Zeit vergeht und verrückt, wie lang wir schon durchhalten.

Jedenfalls: laut Definition haben wir den Jackpot abgegriffen. Schreikind. Schreibaby. Ding! Ding! Ding!

Was also beschreibt meinen Tages- und Nachtablauf am besten?

Ich schlafe nicht – ich wache.

Das mit dem Schlafen ist echt so eine Sache. Auch im Schlaf, wenn man meinen Zustand überhaupt Schlaf nennen kann, bin ich immer in einer Halbacht-Stellung. Wenn das Baby auch nur einen Mucks macht bin ich sofort hellwach. Auch in meinem tiefsten Traum höre ich sie. Durch Türen und Wände. Das ist gut so, das fühlt sich richtig an. Aber es ist auch verdammt anstrengend. Keine Frage. Momentan wechseln uns der Mann und ich nachts ab. Ich habe sie einige Stunden bei mir, wird sie unruhig geht es zum Papa hoch in die Wiege, da sie hier verlässlich wieder einschläft und wir so nachts quasi null Wachphasen haben. Es ist vermutlich so ein Mutterding.. dieses Wachen.. über die kleinen Mäuse. Ich bin müde, ja. Aber ich bin auch gestärkt durch das Gefühl mein Baby gut behütet durch die Nacht zu begleiten.

Baby in der Wiege. Letzte Rettung bei Schreialarm!

Ich esse nicht – ich schlinge.

Ich habe nach dieser dritten Schwangerschaft (Nummer zwei endetet als Fehlgeburt) definitiv einige Kilos, die hängen geblieben sind. Nach Schwangerschaft eins war dem nicht so.. ich war sogar ganz schnell unter dem Ausgangsgewicht und freute mich ziemlich darüber. Nun ja.. anderes Baby, andere Endsituation. Jedenfalls esse ich durch den Umstand des Schreibabys sehr oft sehr falsche Dinge. Nicht zuletzt, da ich nicht mal dazu komme, mir eine gesunde Mahlzeit zu kochen. Lieber schnell ein Brot geschmiert, als am Ende gar nichts im Bauchi. Oft mache ich mir etwas zu essen und es landet gar nicht im Magen.. nein, es vegetiert in der Küche vor sich und wartet darauf, verspeist zu werden. Trotzdem lassen die Kilos nicht von mir ab. Eben weil es nicht das Richtige ist, was ich da esse. Grummel.

Ich bade nicht – ich dusche, verdammt schnell.

Duschen. Oh welch‘ leidiges Thema. Wenn wir morgens alle zu lang in den Federn liegen, dann schaffe ich es nicht mehr unter die Dusche bevor Papa mit dem Kindlein das Haus verlässt. Also muss ich es irgendwie schaffen, während ich ja mit Baby M. allein zu Hause bin. Ich nutze daher einen ihrer vielen Naps und hechte unter die Dusche. Sobald ich das Bad verlasse, zappelt das Baby schon wieder in der Wiege. Während ich mich anziehe, brüllt sie zumeist schon wieder. Baden? Wo denkt ihr hin.. den kommenden Nap nutze ich dann für Make up und gegebenenfalls eine kleine Mahlzeit. Mehr Zeit bleibt mir nicht. Hab mir selten die Haare unter der Dusche so schnell gewaschen. Der arme Conditioner. Gammelt allein in der Dusche vor sich hin, da Mama keine Zeit für ihn hat.

Ich schiebe nicht – ich trage.

Das ist eigentlich nicht ganz richtig. Ich schiebe schon auch. Aber deutlich weniger als ich trage. Das mit dem Kinderwagen läuft hier nämlich aktuell so: das Baby wird unruhig da es müde ist. Ich bereite hektisch den Kinderwagen vor. Packe das Baby in seinen Overall und ziehe mich an. An dieser Stelle brauche ich aufgrund des Posttitels vermutlich nicht erwähnen, dass das Baby schon brüllt? Sind wir beide fertig, nehme ich das Baby auf den Arm und wiege es hoch und runter, hin und her. Irgendwann klappen die Augen endlich zu. Dann lege ich es extrem schnell in den Kinderwagen und düse zu den nächst gelegenen Huckeln… in unserem Fall der Rasen. Ist das Baby gnädig, so schläft es relativ entspannt ein. Ist es eher nicht so gut drauf, brüllt es drauf los und ich kann von vorn beginnen. Selten rettet der Schnuller die Situation. Wenn ich keine Lust auf all das Drama habe, nehme ich sie direkt in die Trage. Wirkt Wunder und geht schnell.

Bei Mama in der Trage.

WAS HILFT?

Hier sei vorweg gesagt: das ist unsere persönliche Erfahrung. Dinge, die uns helfen, sind bei anderen vielleicht unbrauchbar. Vorab hatten wir zwei Osteopathen durch, zig Dinge für/gegen die Verdauung und was weiß ich nicht noch alles. Nachdem all diese Dinge im Grunde NICHTS brachten, sind wir wieder zurück zu anderen Helferlein. Hier gibt es ganz klar drei Favoriten, die uns die Tage retten:

  1. Tragen
  2. Wippen
  3. Wiegen

Doch was hilft nun am verlässlichsten? Ich glaube es ist eine gute Mischung aus allen drei Sachen. Tragen geht jedenfalls immer.. aber eben nicht immer für mich. Es gibt Momente, da kann ich einfach nicht mehr und da ist eine Wiege die letzte Rettung. An manchen Tagen schaffe ich es kaum, ein Glas Wasser zu trinken. Das klingt total bescheuert.. aber mit so einem Brüllbaby ist der ganze Tag ein einziger Spießrutenlauf. Und so sind Wiegen und Wippen hier meine stetigen Begleiter. Ich kann sie nur jedem ans Herz legen.. würde mich diesbezüglich aber gar nicht auf eine bestimmte Marke oder ein Modell festlegen. Hauptsache es wiegt und wippt. Ihr braucht etwas? Schaut hier nach Wippen und Wiegen, die euch vielleicht das Leben erleichtern.

Baby M. in der Wippe. Nie wieder ohne!

Ansonsten halte ich es ganz oft so: kommt Zeit, kommt Veränderung. Ja, auch diese Gedanken helfen mir. Ich glaube fest daran, dass es sich mit Baby M. ein bisschen wie mit einer Erkältung verhält: es wird einfach irgendwann besser. Und das ist es vielleicht jetzt schon. Auch wenn der Herzmann und ich vermuten, dass wir uns eigentlich nur an die Situation gewöhnt haben. Es graut uns nach wie vor vor allen vor den abendlichen Stunden, in welchen Baby M. noch mal so richtig aufdreht und eine extra Schreirunde absolviert. Mein Puls steigt ebenso, nicht selten möchte ich mit dem Baby mitweinen. Aber es kommen auch andere Zeiten.. so wie es jetzt schon ganz individuelle Tage und Nächte gibt. Den einen Tag schreit sie mehr, den anderen eben weniger. Mal schreit sie extrem schrill, ist klatschnass und die Tränen kullern. Und mal ist das Schreien deutlich gedämpfter. Es ist wie es ist. Wir akzeptieren die Situation, wir akzeptieren unser Baby M… wir haben sie so oder so viel zu lieb. Da kann sie schreien wie sie will: sie wird geliebt bis zum Mond und zurück!

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