Zum Thema Schreien lassen und schlafen lernen…

Spricht für sich… ist sicherlich extrem ausgedrückt… aber grundsolide wahr! Ich bin eigentlich kein Freund von solchen Texten, die aus Sicht eines Babies geschrieben sind. Ich habe dazu aber kürzlich einiges gelesen und ich musste einfach diesen Text verfassen. Es war wie ein innerer Drang, es ging einfach nicht anders. Jeder kann darüber denken wie er will, jeder hat seine Meinung. Der Text ist meine Meinung. In diesem Sinne: lasst Eure Babies bitte nicht schreien!

Ida_Krankenhaus_kennenlernen

Schlafen LERNEN:

Es war ein schöner Tag mit Dir Mama! Wir haben gespielt, gelacht und ganz viel Quatsch gemacht. Du hast mit mir gekuschelt und ganz viele Küsschen auf meinem Gesicht verteilt. Am Abend hast Du mich wie immer in mein Bettchen gebracht. Erst haben wir auf der Wickelkommode noch gegrinst – du hast mir meinen Schlafanzug angezogen und meintest auf einmal ich solle jetzt schlafen lernen.

Du hast mich in mein Bett gelegt, noch einmal gelächelt, meine kleine Spieluhr aufgezogen und das Licht ausgemacht. Dann ging das Nachtlicht an und Du hast mir einen Luftkuss zugeworfen. Das kleine Nachtlicht in der Steckdose wirft nur einen kleinen Schein, ansonsten ist es stockdunkel. Du hast noch gesagt “keine Angst mein Schatz”. Dann bist Du aus dem Zimmer gegangen und hast die Tür leise hinter Dir zugemacht. Mama, hast Du vergessen, dass ich überall Angst bekomme, wo Du nicht bist? Du bist das Einzige was ich kenne, was ich rieche, sehe, höre… seit ich in Deinem Bauch herangewachsen bin. Du bist mein Fels, mein Halt, mein Alles.

Ich liege in meinem Bettchen und starre im Schein auf die Gitterstäbe. Ich drehe mein Köpfchen von einer Seite auf die andere. Ich beginne zu brabbeln und versuche mich mit mir selbst zu beschäftigen. Nach einigen Minuten bekomme ich Angst. Es ist so dunkel und so still und ich bin zwar müde, kann aber noch gar nicht alleine einschlafen. Ich weiß ja, dass Du gleich wieder bei mir sein wirst, Mama! Du warst bisher immer für mich da, wenn ich Dich gebraucht habe. Ich vermisse Dich, Deine Nähe, Deine Arme… Deine Finger, wie sie über meinen Kopf streicheln. Ich beginne zu quengeln, was schnell zu einem Wimmern wird. Du wirst ja gleich bei mir sein, Mama. Meine Mama.

Ich versuche zu hören. Sonst rufst Du immer schon, dass Du gleich bei mir bist, Mama. Doch ich höre nichts, gar nichts. Keine Schritte, nicht das Knacken der Treppe, wenn Du zu mir kommst. Kein Wörtchen kommt über Deine Lippen. Mein Wimmern wird lauter und ich beginne zu jammern. Wo bleibst Du denn Mama? Meine Angst steigt und ich beginne mit meinen Armen zu rudern. Wo bleibst Du? Wo seid ihr denn? Ich wundere mich – wo ist meine Mama? Hast Du mich dieses Mal einfach nicht hören können? Bin ich nicht laut genug? Es kommt niemand.

Mein Jammern wird ein Schreien. Ich schreie, ich brülle. Ich habe das Gefühl, dass ich hier schon ewig liege. Allein. Die Zeit vergeht und meine Augen füllen sich mit Tränen. Sie brennen, werden rot und tun mir weh. Ich schnappe nach Luft, ich japse regelrecht. Wieso kommt keiner zu mir? Habe ich Euch verärgert? Ich habe Todesangst und schlage wild um mich. Meine Beine strampeln im Schlafsack und ich verliere dadurch meine Söckchen. Meine Füße fangen an zu frieren. Ich schreie mir die Seele aus dem Leib. Braucht meine Mama mich nicht mehr? Ich brauche doch aber sie so dringend, jetzt, sofort! Ich bin so allein.

Mein Atem wird ruckartig, ich bekomme kaum noch Luft. Mein Gesicht ist ganz feucht, benetzt mit ganz vielen Tränen, die weiter meine Wange nach unten kullern. Niemand kommt. Niemand. Es ist Dunkel, es ist still. Und mir wird klar, es kommt niemand. Ich strenge mich noch einmal an, alles bäumt sich in mir auf und ich brülle wie verrückt. Doch es hilft nichts. Ich dachte, Du hast mich vielleicht nicht gehört, doch ich habe mich geirrt. Geirrt in Dir, Mama. Ich dachte Du wirst mir immer helfen, immer bei mir sein wenn ich Dich brauche. Dem ist nicht so – Du bist nicht gekommen, Du hast nicht reagiert. Ich kann doch nur schreien… ich kann nicht sprechen und Dir sagen: “Mama, ich habe Angst, ich kann gerade nicht einschlafen, komm bitte her, ich brauche Dich!”

Mein Vertrauen in Dich ist erschüttert. Ich schreie und schreie… mein Hals brennt so sehr und mein Gesicht ist rot angelaufen. Wirst Du mir auch zukünftig nicht mehr helfen? Plötzlich geht die Tür auf und ich kann Dich auch im blassen Schein des Nachtlichts erkennen. Mama, endlich! Ich strecke meine Arme nach Dir aus. Doch Du streckst mir Deine nicht entgegen. Du streichelst nicht meinen Kopf, Du hebst mich nicht aus dem Bettchen. Du sagtest nur “hab keine Angst mein kleiner Schatz”, hast Dich umgedreht und hast wieder das Zimmer verlassen. Ich verstehe nicht und schreie Dir hinterher, schreie so laut ich kann, du musst mich einfach hören.

Doch es passiert nichts. Ich schaffe es einfach nicht. Ich schaffe es nicht, Dir zu sagen, dass ich Dich wirklich brauche, dass ich Deine Hilfe brauche. Ich kann nicht mehr. Ich habe das Gefühl an meinen Tränen zu ersticken. Mein Schreien wird leiser, ich wimmere nur noch. Ich starre nach oben an die kalte Decke. Meine Augen sind wegen der ganzen Anstrengung ganz schwer. Ich kann sie kaum noch offen halten. Ich spüre, wie mich der Schlaf allmählich übermannt. Und dann ist es soweit: ich schlafe ein. Mir wird klar, dass ich ganz alleine bin in dieser großen großen Welt. Ich kann schreien wie ich will, ich kann zittern, wimmern, wild um mich schlagen. Ich kann nicht mal meiner Mama vertrauen.

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