Regeln und so…

PfeifeIch habe eine ganze Weile überlegt, ob und wie ich das Thema anfange… Regeln… Erziehung… Verbote…das sind alles so furchtbar schwere Worte. Ich mag sie irgendwie nicht. Das mag vielleicht daher kommen, dass ich als Kind kaum Regeln hatte. Also es ist jetzt nicht so, dass ich machen konnte, was ich wollte – aber meine Eltern haben mir und meiner Schwester einfach wahnsinnig viel Spielraum gelassen. Es gab eigentlich keine direkten Aufgaben, von zig Regeln oder Verboten ganz zu schweigen.

Oft lag man meiner Mutter in den Ohren.. das sie schon noch sehen wird, was sie davon hat. Wir wären verzogene Gören, die alles bekommen was sie wollen. Da hatten sie nicht mal Unrecht. Aber ganz ehrlich? Geschadet hat es uns nicht. Ich würde doch mal ganz frech behaupten, dass trotzdem etwas aus uns geworden ist, wir die kleinen Dinge des Lebens schätzen und lieben und es auch sonst ganz passabel mit uns ist.

Nun haben mein Mann und ich bisher eigentlich nur eine feste Regel für uns aufgestellt:

Einer Meinung sein – an einem Strang ziehen.

Papa darf also nicht A und Mama später B sagen. Soweit so gut. Für das Kindlein gibt es eigentlich kaum bis gar keine Regeln/Verbote… klar, beim Griff in die Steckdose gibt es ein lautes “nein!”. Oder wenn sie auf der Arbeitsplatte in der Küche sitzt und nach den Messern greifen will…oder etwas in die Finger bekommt, was sie eigentlich nicht haben darf. Dann nehmen wir ihr das weg und sagen nein, erklären ihr das Warum. Dann gibt es Gebrüll, gerne auch mit auf den Boden werfen. Das geht aber sehr sehr schnell vorbei. Erstaunlicherweise. Aber das war es auch irgendwie schon. Das Wort “nein” findet hier ansonsten aber kaum Beachtung… wir brauchen es einfach sehr sehr selten.

Und weiter?… weiterhin sitzen wir natürlich beim Essen (wobei ich sie natürlich aus dem Stuhl lasse, wenn sie raus will. Sehe keinen Sinn darin, das Kind zum elend langen Sitzen zu zwingen), gehen (relativ) pünktlich ins Bett, putzen täglich Zähne (da gibt es kein Erbarmen). Es gibt kleine Rituale und ein bisschen Routine. Ansonsten versuche ich jeden Tag auch ein bisschen anders zu gestalten und etwas Abenteuer hinein zu bringen.

Sonst darf das Kindlein eigentlich alles. Sie kann hier verwüsten wie sie will… darf alles anfassen, umherschleudern, darf überall rauf und runterkrabbeln, kann rennen wohin sie mag. Sie kann alles erkunden, kann Lebensmittel so lange betatschen wie es ihr Recht ist. Ich gebe ihr gerne Linsen und Reis zum Schütten üben… und es ist mir relativ schnurzpiepegal wie danach der Boden aussieht. Spielzeug ist hier alles… jeder Gegenstand. Neulich hat sie mit einem Stift den Stuhlbezug angemalt. Sei es drum. Wie soll ich einem 1 Jährigen Kind einprägen, dass Papier zum Malen da ist? Klar kann ich es ihr 1001 Mal sagen. Trotzdem will sie ausprobieren, wie ein Stift woanders malt und wie das aussieht. Kann ich ihr das verübeln? Nein!

Und das ich das sage ist irgendwie schon komisch… ich dachte nämlich immer, dass ich so etwas nie nie nie zulassen würde. Aber irgendwann… ist mir fast der Kopf geplatzt und ich habe versucht, mich mehr in das Äffchen hinein zu versetzen. Und das machte es plötzlich so viel leichter. Und ich bin ganz fest davon überzeugt, dass man nicht drum herum kommt irgendwo Kugelschreiber im Haus zu haben… an einer Stelle, wo er eigentlich nicht hin gehört. 😉

Das gleiche ist das Klopapier Thema… Als sie das erste Mal an der Rolle stand wollte ich schon laut “neeeihhheeeein” schreien und dachte dann… puh, lass sie halt ausprobieren. Immerhin kannte sie es ja nicht und wusste nicht, dass sich dieses lustige Papier auch abrollen lässt. Ende der Geschichte: einmal gemacht. Ein zweites Mal gemacht. Reiz verloren. Seitdem zuppelt sie vielleicht mal dran, das war es aber auch.

Ob das jetzt alles richtig oder pädagogisch für die Tonne ist? Keine Ahnung. Bisher fahren wir damit eigentlich ganz gut 🙂

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2 comments

  1. Liebe Kathi,

    find ich ja total spannend – bei uns ist es eher umgekehrt. Wobei ich früher dachte, dass ich auch mal ziemlich locker so einiges durchgehen lassen würde. Und jetzt komme ich mir manchmal schon ein bisschen zu streng vor. Genau wie du bin auch ich eher ohne großen Regeln aufgewachsen. Aber ich fand es im Nachhinein betrachtet grässlich, weil strukturlos. Vielleicht versuche ich deswegen, meinen Kindern jetzt einen strukturierteren Rahmen zu schaffen.
    Sei lieb gegrüßt
    Christine

  2. Ich bin selbst sehr strukturiert aufgewachsen und fand das immer gut.
    Es gab einem so eine Sicherheit. Wir mussten oft zuhause mithelfen und hatten einige Aufgaben und Pflichten. Es gab aber auch so sinnlose Regeln, wie z.B. nicht auf dem Sofa hüpfen (warum denn nicht? ist doch so schön weich?) oder am Sonntag darf man nicht zu Freunden, sondern macht was mit der Familie, das fand ich auch nicht immer so gut.
    Ich selbst versuche auch immer, mich in das Kindlein reinzuversetzen, wenn ich etwas verbiete und es ist auf jeden Fall so, dass ich etwas verbiete. Sie ist aber auch schon etwas älter, da werden die Debatten auch immer größer als noch bei einer 1jährigen :))

    Man kann alles mal ausprobieren lassen, aber man muss auch rüberbringen, dass in einer Gemeinschaft im Alltag manches nicht geht.
    Ich denke immer, was das Kind zuhause nicht sieht oder lernt, kann es auch woanders nicht. Und woanders kann man eben nicht mit dem Stift alles vollmalen. Ist halt so. Man kann nicht einfach in fremde Gärten spazieren (hatten wir heute). Ist halt so. Es gibt Regeln, die kein Kind verstehen will, die aber sein müssen, damit es sich gut integrieren kann.
    Sonst sehe ich auch vieles locker, unser Kind bleibt auch nicht sitzen wenn es satt ist. Darf überall rumklettern. Und Spielzeug ist hier auch alles :)) Es ist schon wichtig alles entdecken zu dürfen, ohne ständig gemaßregelt zu werden!

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