“Und, schläft sie schon durch?”

Schlaeft_sie_schon_durch

Zu nervigen Ratschlägen kommen auch nervige Fragen, wer hätte das gedacht! Wir zumindest nicht, als wir uns auf das Abenteuer Kind eingelassen haben. Die wohl mit Abstand nervigste Frage:

“Und, schläft sie schon durch?”

Die Frage impliziert eigentlich schon, dass man sich rechtfertigen muss, da die Wahrscheinlichkeit, dass ein Baby mit ein oder auch drei Monaten durchschläft, eher gering ist. Trotzdem fragen die Leute seit Idas Geburt danach (neulich wieder an der Supermarktkasse – der eigentliche Auslöser für diesen Post), wie denn die Nächte sind und versuchen uns einzureden wie furchtbar schlimm doch alles ist. Das Leben wäre ja mit Baby vorbei, es gäbe keine Zeit mehr zu Zweit, man könne rein gar nichts mehr machen, das Geld reiche nicht und eigentlich könne man sich ja auch gleich aufhängen, wenn man sich für ein Kind entscheidet. Aha. Interessant. Sehr sogar.

Was ist denn bloß an diesem Durchschlafen so besonders, dass da so ein wahnsinniger Hype drum gemacht wird? Natürlich ist Schlafmangel hart und der Entzug von Schlaf nicht umsonst eine anerkannte Foltermethode. Trotzdem verstehen wir nicht, warum es – zumindest gefühlt – nur darum geht?! Es gibt 1000 Bücher zu dem Thema, in Foren 100000 Threads und im Freundes-, Familien- und Bekanntenkreis gibt es auch nur dieses eine Thema: Schlaf! Und nochmal Schlaf! Durchschlafen! Nächte! Ich kann es nicht mehr hören! Sich darüber zu unterhalten kann ja das ein oder andere mal ganz interessant sein, vor allem um sich Meinungen anderer anzuhören und um zu schauen, ob man vielleicht doch ein ernsthaftes Schlafproblem mit seinem Kind hat. Aber ganz ehrlich? Ich würde viel lieber Fragen wie diese hören:

“Und, ist es so schön wie alle sagen?”

“Kann Sie schon greifen und sich drehen?”

“Sind Kinder wirklich so toll?”

“Sollten wir auch Kinder bekommen?”

DAS sind Fragen, wie ich Sie mir wünsche! 😀 Es reicht doch, dass sich Meckerdeutschland den ganzen Tag über dies und das aufregt (da möchte ich mich gerne auch hin und wieder dazuzählen). Ein bisschen mehr positives Denken wünscht man sich als Eltern schon – und nicht immer dieses Stochern in einer Wunde. Denn: natürlich schläft das Kind noch nicht durch! Sie ist ein Stillkind, das macht es schon mal nicht einfacher. Es gibt Tage, da kommt sie nachts alle ein bis zwei Stunden und es gibt Tage da schafft sie sechs Stunden am Stück. Es ist wie es ist und es ist okay so. Man gewöhnt sich an alles! Außerdem würde ich nie behaupten, dass ich zu wenig Schlaf bekomme. Vielmehr bekomme ich ihn nur nicht mehr am Stück – that’s it! Und wenn das Kind nachts mal wieder andocken will – soll es machen – ich schlafe spätestens nach fünf Minuten sowieso wieder ein und bekomme es teilweise gar nicht mehr mit! 😀 Und so kann ich morgens oft nicht mal mehr sagen, wann und wie oft das Kind nach Beruhigung und Nahrung verlangte.

Vielleicht sehe ich das mit den Nächten in ein paar Monaten anders… vielleicht werde ich auch eine von diesen völlig verzweifelten Mamas, die das ganze Internet nach Tipps abgrasen. Vielleicht habe ich auch einfach nur Glück, dass ich mit der Situation, so wie sie ist, so gut zurecht komme. Vielleicht. Wenn die Nacht mal wieder Horror war, nimmt der Papa mir die Kleine morgens auch mal eine Stunde ab und ich kann noch etwas schlafen. Und diese eine kleine Stunde kann so wahnsinnig viel bewirken und auch so wahnsinnig gut tun! Oder ich lege mich nachmittags zu ihrem Schläfchen einfach mit ins Bett. Und ich sage mir: eines Tages wird es besser… und du nimmst das für Dein Baby alles sehr gerne in Kauf!

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